Wo steckt eigentlich …?

Liebe Leute,

ihr fragt euch vielleicht, was los ist. Weil ich doch recht abrupt weg war und alles ziemlich dramatisch klang – erst der Krankenhausaufenthalt, dann die Diagnose und schwupp! der letzte Tweet. In aller Kürze: Ich stand zwar schon ein bisschen unter Schock, als ich mich verabschiedet habe, aber eigentlich ist alles halb so wild. Ich bin nicht sterbenskrank, und ich brauche auch keinen Herzschrittmacher.

Der Reihe nach: Als bei mir vor ein paar Jahren bei einem 24-Stunden-EKG zum ersten Mal ein AV-Block II. Grades diagnostiziert wurde – wohlgemerkt ein einziger –, fragte mich der Kardiologe, ob mir manchmal schwindelig werde und ob ich schon mal bewusstlos geworden sei. Ja, schwindelig wird mir manchmal, aber mal ganz im Ernst, ich gehe jetzt auch nicht gerade verantwortungsvoll mit meinem Körper um, Stichwort: Frühstück. Ich trinke auch nicht genügend und bewege mich zu wenig. Das sind alles Dinge, die einen maroden Kreislauf verursachen. So viel zum Thema.

Bewusstlos werde ich auch nicht plötzlich, heute nicht und damals nicht. Als ich das dem Kardiologen sagte, war er ganz beruhigt. Man müsse das vielleicht mal ab und zu checken, aber solange ich nicht in Ohnmacht fiele, sei soweit alles in Ordnung.

Das war ungefähr 2014 oder 2015. Sprung ins Jahr 2019: Im Krankenhaus habe ich erfahren, dass der AV-Block II. Grades inzwischen intermittierend auftritt. Jetzt kann ich nicht mehr behaupten, ich hätte mal einen gehabt, stattdessen gehört er quasi zu meinem Leben dazu, und er ist es wohl auch, den ich ständig spüre. Diese Neuigkeit hat mich erst einmal ziemlich aus der Bahn geworfen. Ich sah mich wirklich schon mit einem Herzschrittmacher herumlaufen. Und das mit gerade mal 32 Jahren.

Tatsache ist aber: Die Aussetzer lassen mich immer noch nicht bewusstlos werden, und das ist ein gutes Zeichen. Wenn sie lebensgefährlich wären, hätten die mich nicht aus dem Krankenhaus entlassen. Alles weitere erfahre ich am Montag beim Kardiologen – vorher hat es überhaupt keinen Sinn, sich den Kopf zu zerbrechen.

Stattdessen sollte ich diese Sache als Zeichen sehen (eine Erkenntnis, die Menschen nach einer Diagnose berechtigterweise recht häufig haben). Mein Körper hat mir ein Stop-Schild vor die Nase gestellt, das viele von euch schon länger gesehen haben als ich. Jetzt ist es also auch bei mir angekommen: Wenn ich so weiter mache, wie bisher, wird irgendetwas in mir kollabieren. Und das wird womöglich mein Herz sein.

Daher kommt nun, was kommen musste. Ich reduziere. Nachrichten. Arbeitspensum. Zeit im Sitzen. Twitter. Ich bin ein politisch interessierter Mensch, arbeite gerne exzessiv und liebe die Twitter-Community, aber ich habe für alles zusammen eigentlich gar keine Energie. Um es trotzdem zu bewältigen, habe ich mir ganz schön viel Energie von meiner Zukunft geborgt. Und die schulde ich ihr nun.

Vorerst habe ich also alles gestrichen, was nicht absolute Priorität hat. Priorität haben Cronos Cube 3 und 4, der Druck und die Illustration von Aurel Aspen und unsere Finanzen. Außerdem tägliche Spaziergänge von rund einer Stunde und, am allerwichtigsten, bewusste Auszeiten. Ich versuche herauszufinden, wie viele Arbeitsstunden am Tag für mich verträglich sind, und erfasse meine Arbeitszeit, um nach Ablauf dieser Stunden bewusst einen Cut zu setzen und Feierabend zu machen. Das ist etwas, was ich lernen muss. Und mein Kopf. Das wird ein langer Prozess.

Während ich mich in dieser Phase befinde, will und werde ich alles von mir fernhalten, was mich belastet. Das sind News zum Klimawandel, zur politischen Lage im In- und Ausland, zu Menschenrechtsverletzungen und Ertrinkenden im Mittelmeer. Das sind aber auch persönliche Tweets von Menschen, für die ich gerade einfach nicht da sein kann, weil ich alle Energie auf mich konzentrieren muss. Kurzum, Twitter hat mir in letzter Zeit einfach nicht mehr gutgetan. Meine Mauern sind gerade nicht dick genug für diesen Dauerbeschuss durch Mikronachrichten.

Aber ich lösche meinen Account nicht. Ich bin auch nicht für immer weg – spätestens wenn Cronos Cube 2 erscheint, tauche ich wieder auf (wenn auch vielleicht nur vorübergehend), schließlich kann ich mir eure Tweets dazu nicht entgehen lassen. Dass ich mich bis dahin etwas rar mache, versteht ihr, da bin ich mir sicher. <3

Lange Rede, kurzer Sinn: Mir geht’s gerade ziemlich gut. Weil ich auf dem richtigen Weg bin und weiß, dass mein Herz es mir danken wird.

Bis bald!
Eure Thekla

4 Kommentare

  1. Hallo Thekla,
    ich wünsche Dir für Deine Gesundheit und Deinen Vorsatz, Dein Leben zu ändern, alles Gute. Es geht nur mit kontinuierlicher Disziplin.
    Ein Beispiel möge Dir helfen. Mein Vater hatte nach einer Bypass-OP einen Herzschrittmacher bekommen. Seitdem war er wieder topfit. Solche Blockaden sind nicht ausschließlich auf wenig Bewegung und viel Arbeit zurückzuführen, denn mein Vater hat sein Leben lang Sport getrieben. – Ich bin sicher, dass auch Du wieder fit wirst.
    Ingeborg @ingebor7

  2. Huhu!
    Dann wünsche ich dir die beste Erholung, genieß die Ruhe, die eintritt, wenn man sich mal nicht um die ganzen großen und kleinen Belange Anderer kümmern muss.

    Liebe Grüße!
    Gabriela

    PS:Aurel Aspen ist fest für die kommende Zeit bei mir eingeplant 🙂

  3. Liebe Thekla!
    Das ist natürlich alles andere, als eine gute Nachricht, aber du hast dies alles ganz wunderbar analysiert und bist auf jedenfall auf dem richtigen Weg. Die Steinbocknatur halt. 🙂
    Das Beste und das allerliebste sind gewünscht für dich von mir und Reinhard!
    Du bist und bleibst mein tolles Mädel, auf das ich immer super stolz sein werde!
    Fühl dich gaaanz lieb umärmeln!
    Deine Caro 😙❤️

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