Rückblick: August 2018

Gerade noch habe ich wie eine Besessene an Cronos Cube 2 gearbeitet, da ruft jemand nach mir: Aurel. Ob ich da nicht etwas vergessen hätte? Ob ich mich nicht mehr an die Recherchereise nach Berlin erinnere? Aurels Zeit ist jetzt gekommen. Ich pausiere mit Cronos Cube 2 und widme mich den letzten Seiten des für mich persönlich nervenaufreibendsten Buchs, das ich bislang geschrieben habe. 

Am Morgen des 8. Augusts sieht es noch nicht danach aus, als käme Aurel heute zu einem Abschluss. Seit Tagen stemme ich mich gegen einen inneren Widerstand; je näher ich dem Ende komme, desto mehr fühlt es sich an, als wollte ich eine Betonmauer umwerfen. Ich kämpfe dagegen an, schreibe – und:

BÄM!

Aber es muss ja immer alles im Gleichgewicht bleiben, und so fordert zu viel Glück immer auch ein Unglück. Uns geht das Geld aus. Ist halt ein bisschen blöd, wenn man seinen Job hinschmeißt, ohne Reserven zu haben, und dann trotzdem so weiterlebt wie bisher. Plötzlich streikt der Automat, mitten im Monat.

Und weil ich mit sowas überhaupt nicht umgehen kann, zweifle ich gleich wieder an meinem Lebenswert. Irgendwie bewahre ich trotzdem genug klaren Verstand, um einen Paypal-Aufruf über Twitter zu starten. Als jemand, der sich niemals Geld leihen würde, zumindest keine größeren Beträge, nichts, was über ein ausgelegtes Essen oder einen Kaffee bei vergessenem Geldbeutel hinausgeht. Die Hilfsbereitschaft erschlägt meinen Mann und mich förmlich. Ich bin heute noch tief bewegt, wenn ich daran zurückdenke. Ich bemühe mich regelmäßig (wenn es gerade finanziell geht), anderen bei Aufrufen etwas zu spenden, um etwas von der Herzenswärme, die ich erfahren habe, zurückzugeben.

Ans Schreiben ist ein paar Tage lang nicht zu denken. Das Drama wirkt noch nach, die Depression kehrt zurück, die Dosis meines Escitaloprams wird erhöht. Ich tue, was ich ohnehin häufiger tun sollte, und übe mich in Freizeit.

Draußen wächst sich der Sommer zur Dürre aus, die Hitze brennt uns die Pflanzen weg. Die trockenen Blätter rieseln auf den Balkon einer Nachbarin, die sofort zum Fotoapparat greift und die Hausverwaltung informiert. Die schreibt unsere Vermieterin an und unterstellt uns in einem Brief, wir wollten “offensichtlich” den Balkon mit der Bepflanzung “verhängen”. Ich frage mich, warum ihnen das nicht schon im Juli aufgefallen ist, als der Balkon noch viel üppiger war, und greife zur Schere, um das Geländer von den Pflanzen zu befreien, damit jeder im Hinterhof wieder das hübsche blaue Metall sehen kann und alles schön einheitlich wirkt.

Im inneren Dialog finde ich ein Ventil für meine depressiven Gedanken. Ich entdecke das Thema Ego-States für mich und lerne, meine verschiedenen Gefühlslagen und Gemütszustände aus der Distanz zu betrachten, ohne mich immer gleich mit ihnen zu identifizieren. Das klappt nicht immer, aber immer besser. Ich klettere aus meinem Loch und beginne, die Anmerkungen meiner Testleser in Aurel Aspen einzuarbeiten. Das Feedback ist fantastisch.

So schlimm wird es dann aber doch nicht. Nur ein oder zwei Tage später schicke ich Aurel Aspen an meine Lektorin. Das Warten geht weiter.

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