Rückblick: März 2018

März, Buchmesse, Schwarz und Weiß, Leben oder Tod, so fühlt sich dieser Monat an: als gäbe es nach dem Tag X kein Dasein mehr. Der März lehrt mich viel über mich, meine Grenzen und meine Ansprüche an die Zukunft. Ich erlebe die vielleicht größte Enttäuschung meines Lebens und lande den größten Erfolg meines Lebens, beides an einem einzigen Tag, eine komprimierte Achterbahnfahrt der Gefühle.

Anfang März mache ich Pläne für den Frühling. Ich will rudern, Glentleiten besuchen, die Depression hinter mir lassen – einfach alles, was mich davon ablenkt, dass ich Ende März nach Leipzig fahren muss, um auf die Buchmesse zu gehen. Mein Terminkalender füllt sich. Lesungen, ein Interview, die Verleihung des Phantastikpreises Seraph, auf dessen Shortlist ich stehe. Ich erinnere mich täglich daran, dass es ein großer Erfolg ist, einer der drei besten Phantastikdebütanten des Jahres zu sein und ein Ausgang der Preisverleihung zweitrangig ist. Aber in Wahrheit ist er das nicht. So bin ich nicht erzogen. Leistung ist Anerkennung ist Liebe, so steckt es leider immer noch tief in mir drin.

In der Zwischenzeit läuft die Therapie an. Ich hoffe jeden Tag darauf, dass das Antidepressivum bis zur Buchmesse seine volle Wirkung entfaltet, und baue für den Zweifelsfall auf das Tavor, das noch für den Notfall in meinem Schrank liegt. Zum Glück habe ich eine einfühlsame und kompetente Therapeutin gefunden, die mich aufbaut und mir Überlebenstipps für die Buchmesse gibt.

Und dann ist sie da, die Buchmessewoche. In der Nacht vor dem Aufbruch schlafe ich kaum. Sobald ich im Auto sitze, rast alles wie im Rausch an mir vorbei. Wir schlafen in einer Ferienwohnung am Hainer See, ganz allein mit dem Wasser und einem Boot, das Tag und Nacht vom Wind gegen eine Mauer getrieben wird. Weil der Winter nach einigen schönen Frühlingstagen brachial zurückkehrt, muss der Leipziger Bahnhof den Betrieb einstellen, so viel Schnee fällt vom Himmel.

Meine erste Lesung findet in den Cammerspielen statt, ein Saxophonist begleitet mich; eine wunderbare Erfahrung, die ich unbedingt eines Tages wiederholen muss. Ich lese außerdem bei Hugendubel, im Lindenfels Westflügel und in der Studentenbuchhandlung BuMerang, gebe der HTWK ein Interview vor Publikum und wohne der Preisverleihung des Seraphs bei.

Die Orga des Seraphs ist super und die Laudatoren hörenswert. Es ist schön, zu sehen, wie sich die Preisträger freuen, aber mich überreizt das Event restlos. Ich liege die ganze Nacht mit Migräne wach. Mein Körper kommt einfach nicht zur Ruhe, kommt einfach nicht aus dieser Situation raus. Frustration und Scheitern, das sind Dinge, für die ich in meiner Kindheit keine Toleranz entwickelt habe. Mit mir wurde in jungen Jahren nie über den Umgang mit Enttäuschung gesprochen, sondern nur erwartet, dass ich ihn beherrsche. Ich kämpfe mit mir.

Ich brauche Zeit, um mich auf die guten Dinge zu konzentrieren, die im Verlauf der Buchmesse passiert sind. Nicht nur auf die vielen tollen Begegnungen, sogar mit Fans, von denen ich gar nicht glauben kann, dass ich sie habe. Sondern auch auf die Tatsache, dass die Nominierung für den Seraph eine neue Tür geöffnet hat.

Oetinger will Cronos Cube als Taschenbuch herausbringen. Wie irre ist das? Einer der größten Verlage Deutschlands, Hausverlag von Astrid Lindgren, Herausgeber der deutschen Ausgabe von Die Tribute von Panem, interessiert sich für Cronos. Noch ist nichts vertraglich geregelt, ich muss es geheim halten, fliege dabei aber ein bisschen. (Das Antidepressivum spielt sicher auch eine Rolle.)

Im Nachgang der Buchmesse werde ich krank, erst Grippe, dann rätselhafte Kreislaufprobleme, dazwischen PMS und Migräne, das volle Programm. Nachdem meine Psyche die Zeit in Leipzig endlich vollständig verarbeitet hat, erfinde ich den Depribattle und stürze mich in die Arbeit an Aurel Aspen. Die Arbeit geht gut voran, ich bin endlich wieder produktiv. Das ist vielleicht das einzige, was ich sicher über mich weiß: Wenn ich in Ruhe produktiv sein kann, bin ich am stabilsten.

 

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