Rückblick: Januar 2018


Das Jahr beginnt mit Sekt und Katze in der Badewanne. Meine Nerven liegen blank: Luzi hat seit sechs Stunden Panik wegen des Geböllers auf der Straße und ich frage mich bei jedem Knall, wie hoch das Herzinfarktrisiko bei dicken, alten Katzenladys ist.  Zu dritt – mein Verlobter, Luzi und ich – sitzen wir in der trockenen Wanne und stoßen an. Auf ein Jahr, das genauso knallen wird; oft, aber nicht immer im Guten.

Momentan ist noch wenig gut. An Heilig Abend hat mich die Depression endgültig überrollt. Mein Krisenbetreuer bei der Caritas nennt den Dämon beim Namen, eine Therapie ist trotzdem nicht in Aussicht. Ich weiß auch gar nicht, ob ich es noch mal wagen will, mich jemandem anzuvertrauen, der mich dann wie Scheiße behandelt. Hatte ich schon, brauche ich kein zweites Mal – wird schon, die Depression.

Ich mache Pläne. Welche Buchprojekte will ich 2018 schreiben? Ein Mars-Projekt steht ganz oben auf der Agenda. Ich vergrabe mich in zielloser Recherche und will mir noch nicht eingestehen, dass meine Prämisse nicht funktioniert, das Projekt später platzen und niemand ihm nachweinen wird. Auch ich nicht. Dann. Anfang Januar habe ich alles genau vor Augen und würde am liebsten sofort loslegen. Wenn nur diese Trägheit nicht wäre, die mich ausbremst. Es fehlt an Lebensmut.

Immerhin schaffe ich es noch, meinen Presseterminen nachzugehen. Obwohl sie mir längst keinen Spaß mehr machen. Innerlich schließe ich mit der Süddeutschen Zeitung ab, weiß es nur noch nicht. Acht Jahre wirft man nicht einfach so hin.

An meinem Geburtstag bastle ich an einem Schutzschildbuch. Ich feiere nicht. Dafür zocke ich elf Stunden lang Final Fantasy XV, zwinge mich zu Spieleabende mit unserem neuen Freundeskreis, lerne das Phänomen der Erschöpfung durch soziale Kontakte kennen und wünsche mich in die Isolation, besser: in mein Bett.

Zwischendurch scheint mir dann aber doch noch die Sonne ins Herz: Cronos Cube schafft es auf die Longlist des deutschsprachigen Literaturpreises für Phantastik, Seraph. Der MDR bespricht mein Buch sehr positiv in einer Kultursendung.

Ein paar Tage lang lassen mich die guten Nachrichten fliegen, dann wirft die Depression wieder ihr Lasso aus. Ich versuche stärker zu sein, scheitere und überbrücke mit Tavor, arbeite an Cronos Cube 2, falle den Rest des Monats von einem Tief ins nächste und ziehe mich schließlich am 22. Januar in den Twurlaub zurück, weil mir alles zu viel wird, am meisten aber ich selbst mir selbst.

Schreib einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

* Die Checkbox für die Zustimmung zur Speicherung ist nach DSGVO zwingend.

Ich akzeptiere