Blinder Passagier

Vorgestern habe ich mit einer Datensicherung begonnen und seither tauchen ständig Texte auf, die ich vor einer Ewigkeit geschrieben und danach völlig vergessen habe. Das hier ist so ein Text – mein erster Versuch einer sogenannten Hard Science-Fiction. Ich halte ihn weder für außergewöhnlich kreativ noch für glänzend geschrieben. Aber der Kerngedanke ist recht interessant: Würde es uns nicht verrückt machen, müssten wir eines Tages herausfinden, dass wir doch allein im All sind? Die Vorstellung ist für mich unerträglich. 

***

Ehrlich gesagt hatten wir nicht mehr mit einer Begegnung der dritten Art gerechnet. Schon gar nicht an diesem Ort. Schon gar nicht auf diese Weise. Und doch sehe ich mich jetzt in die ungewöhnliche Lage versetzt, diesen Bericht schreiben zu müssen, nur drei Stunden nach dem Erlebnis, das uns alle für immer verändert hat – nicht nur in jener Hinsicht, an die Sie jetzt vielleicht denken. Die Schilderungen meiner Mitarbeiter sende ich nach, sobald sie sich in ihren Kabinen ausgeschlafen haben. Wir alle, besonders aber der junge Davis, müssen uns von dieser Sache erst erholen. Mein Bericht soll vorerst genügen.

Wir sind nun seit einem Monat irdischer Zeit auf der Reise zur Canis-Major-Zwerggalaxie, und die Stimmung ist nüchtern. Zwar vermisst niemand die karge Orionkolonie ONC I und alle sind der Meinung, dass es gut und richtig gewesen ist, die Satellitengalaxie anzusteuern, obwohl wir den Großteil der Milchstraße noch gar nicht kennen. Der Optimismus hält sich aber in Grenzen. Während unsere Vorfahren bei ihren ersten Flügen zum Mond, zum Mars oder nach Alpha Centauri noch euphorisch waren, pflegt vor allem die jüngere Generation einen spröden Realismus, der das Beste hofft und das Schlimmste erwartet. Verübeln kann es ihnen niemand. Sie wurden oft enttäuscht.

Sie erinnern sich vielleicht an den jungen Davis, diesen begabten Raumingenieur? Um Ihnen begreiflich zu machen, was uns widerfahren ist, muss ich Ihnen zuerst von Davis erzählen. Bis vor einem Monat hat er noch in ONC I beim Bau des Orionhabitats geholfen. Durch seine nervöse, geradezu aggressive Art hat er sich dort allerdings mehr Feinde als Freunde gemacht; ich glaube sogar, ich war die einzige, mit der er sich verstand. Als ich ihn traf, wirkte er auf mich wie das Opfer eines Weltraumkollers, und das konnte ich nachempfinden, da ich in seinem Alter in der Marskolonie selbst einen erlitten habe. Ich dachte, eine neue Mission mit einer guten Freundin wie mir – wenn auch einer, die doppelt so alt ist wie er – würde ihm bestimmt gut tun. Also heuerte ich ihn für die Reise nach Canis Major an. Ich musste Davis nicht überreden, er sagte sofort zu.

Davis erzählte mir, er sei fünf Jahre alt gewesen, als die Erdstation der NASA die frohe Nachricht empfing, dass die Malinowski zum ersten Mal Proxima Centauri b erreicht habe. Davis‘ Vater gehörte zur Besatzung des Expeditionsschiffs, dessen Captain die vermeintliche „Schwester der Erde“ in seinem ersten Missionsbericht einen „Bruder des Mars“ nannte. Die sehnsüchtige Erwartung der Malinowski-Besatzung, in der habitablen Zone des Proxima-Systems auf Leben zu stoßen, hatte sich nicht erfüllt. Proxi b war keine Perle, sondern ein Klumpen Nichts.

Als Davis sich viele Jahre später für den Flug zum Orionnebel meldete, dachte er an die Enttäuschung seines Vaters; auch das hat er mir erzählt. Er fühlte sich verantwortlich, stellvertretend für seinen Vater dessen Traum zu erfüllen. Deshalb war es wie ein Schock für ihn, als er zum ersten Mal einen Fuß auf den Braunen Zwerg setzte, in diese trostlose Landschaft, in der nichts lebte. Das Trauma seiner Familie wiederholte sich. Auch ONC I war keine Perle, sondern ein jupitergroßer Klumpen.

Nur eine Woche nach unserem Start in Richtung Canis Major sah ich Davis zum ersten Mal in der Kantine sitzen, allein über einer Tasse brüten und aus dem Bullauge starren in die … ja, was? Weite? Ferne? Leere? Ich weiß, wie verloren sich manche Kolonisten fühlen. Hätte ich nicht immerzu meine mir vertraute Besatzung um mich, ginge es mir bestimmt nicht anders. Das All ist zu groß für die menschliche Vorstellungskraft. Doch der Weltraum wäre leichter zu ertragen, wenn wir ihn mit einer anderen intelligenten Spezies teilen könnten. Einer erfahrenen, raumfahrenden Spezies. Man könnte sagen, wir wandern von Dorf zu Dorf, doch egal, wohin wir auch kommen, egal, an welche Tür wir klopfen – niemand ist daheim.

Auch auf dieser Reise habe ich mich mit Davis ausführlicher unterhalten. Dass die ins All gesandten Nachrichten unbeantwortet blieben; dass die Astrophysiker nie Signale außerirdischer Intelligenz auffingen; dass es so wirkte, als sei der Mensch ein Wunderkind des Universums und völlig allein – all das setzte ihm sehr zu. Unter uns nüchternen Besatzungsmitgliedern war Davis der Nihilist. Doch das dürfte sich heute geändert haben.

Davis zählt bislang nicht zu den angenehmen Zeitgenossen auf diesem Schiff. Er tritt seine Schichten selten pünktlich an, macht gegenüber anderen keinen Hehl aus seiner bemerkenswerten Intelligenz und erledigt seine Arbeit meistens fahrig – wie ein hochbegabtes Kind, das schlechte Noten nach Hause bringt, weil es sich vor lauter Langeweile nicht einmal die Aufgaben durchliest. Davis scheint seit der Enttäuschung auf ONC I keinerlei Ehrgeiz mehr zu haben. Die Kritik an seinen Mitmenschen sitzt ihm trotzdem locker auf den Lippen. An Bord befindet sich niemand, den Davis nicht schon einmal beleidigt hat; aus diesem Grund ist er in seiner Freizeit fast immer allein.

Neulich hat mich unser Leitender Ingenieur Tamaki in den Maschinenraum gerufen, wo ich Zeugin einer handgreiflichen Auseinandersetzung zwischen Davis und einem jungen Astrophysiker namens Mulholland wurde. Die beiden Männer kämpften so erbittert, dass Tamaki und ich sie nicht trennen konnten. Sie schlugen mit Fäusten aufeinander ein und versuchten dem anderen die Nase zu brechen. Wir benötigten fünf Männer, um sie auseinanderzubringen, zwei für Mulholland und drei für Davis. Beide bluteten besorgniserregend und brüllten einander Beleidigungen entgegen – so etwas habe ich auf einem Raumschiff noch nie erlebt. Der Grund für die Schlägerei: Mulholland saß an der spektroskopischen Analyse eines Emissionsnebels, der sich quer über unsere Flugroute ausdehnte, als Davis seine Bemühungen beiläufig kommentierte mit: „Übernimm dich nicht, Mully, sonst übersiehst du die Hälfte.“ Daraufhin platzte Mulholland der Kragen, und er stürzte sich auf Davis, um den gesamten angestauten Frust der Besatzung an ihm auszulassen. Niemand hinderte Mulholland daran, solange allein Davis die Schläge einsteckte. Wie ich später von ein paar ehrlichen Leuten erfuhr, rief mich Tamaki erst herbei, als Davis zurückzuschlagen begann.

Von diesem Tag an ist es mit Davis immer schlimmer geworden. Er stahl ein Hypershuttle, verlor in zweitausend Kilometern Entfernung die Kontrolle und krachte geradewegs in einen Asteroiden. Ein Wunder, dass er überlebt hat, denn von unserem schönen Flitzer ist nur noch ein Haufen Schrott übriggeblieben. Ein Shuttle haben wir noch an Bord, ein neues wird konstruiert. Davis entschuldigte sich nicht, ganz im Gegenteil: Nachdem wir ihn unter großen Schwierigkeiten aus dem Wrack gerettet hatten, beschwerte er sich über die lange Wartezeit und die Kälte. Auf dem Rückflug gelang es ihm noch vom Krankenlager aus die Fertigkeiten des Piloten zu kritisieren. „Du fliegst wie ein Schimpanse mit Parkinson“, soll er zum armen Henry gesagt haben, der übrigens ein fabelhafter Pilot ist.

Es sollte nicht der letzte Vorfall bleiben.

Davis überwältigte Henry während einer Nachtschicht kurze Zeit später, obwohl ihm immer noch der linke Arm in einer Schlinge steckte. Davis programmierte den Kurs so um, dass das Schiff eine Neunzig-Grad-Kurve flog, und bedrohte danach jeden, der ihm zu nah kam, mit einer Pistole. Diese hatte er aus unserer Waffenkammer gestohlen, für die nur Vize-Captain Stark und ich einen Zugangscode besitzen. Wenige Stunden später sollte Davis nicht mehr wissen, wie ihm der Einbruch gelungen war.

Durch die Kursänderung flogen wir jetzt parallel zu dem planetarischen Nebel, den Mulholland einige Tage zuvor spektroskopisch analysiert hatte. Im Zentrum des Nebels glüht eine Erbse, der winzige Rest eines Sterns, der nur noch ein wenig größer war als die Erde – ein Weißer Zwerg, ähnlich dem Trabanten des Sirius. Das purpurn irisierende Plasma leuchtete schon seit einigen Tagen durch die Bullaugen unseres Schiffes und hob die Stimmung unter allen, die nicht gerade mit Davis zu tun hatten: Etwas so Schönes bekommt man ja nicht jeden Tag zu sehen. Wegen der unbedenklichen Zusammensetzung aus Helium, Wasserstoff und einigen anderen ionisierten Elementen sahen wir keine Gefahr darin, den Nebel auf direktem Weg zu durchqueren. Davis war jedoch ganz anderer Meinung. Oder besser gesagt: Davis‘ heimlicher Begleiter.

Unser junger Ingenieur ließ sich auf keine Unterhaltung ein, auch nicht mit mir, seiner einzigen Vertrauten an Bord. Er verteidigte die Steuerungskonsole mit der gestohlenen Waffe und schleuderte Beleidigungen, sobald man sein Handeln hinterfragte. Er war fest entschlossen, den Nebel zu umfliegen. Zu unserem Vorteil hatte Davis bis zu diesem Moment ein paar Tage kaum geschlafen, und als niemand mehr aktiv das Steuer an sich zu reißen versuchte, begann er im Stehen zu dösen. Stark nutzte die Gelegenheit, um Davis zu überwältigen. Davis kam erst im Arrest wieder zu sich.

Auf meine Fragen hatte er keine Antworten. Er schrie mich nur an, wir sollten nicht in den Nebel fliegen, der Nebel sei die Hölle, er werde dort nie wieder herauskommen, und so weiter. Für mich konkretisierte sich da ein Verdacht, den ich nun seit einigen Tagen hegte: dass Davis an mehr als nur einem Weltraumkoller litt, nämlich an einer Art Apeirophobie, einer Angst vor dem All. Irgendwie war es ihm die ganze Zeit gelungen, die Angst zu beherrschen, womöglich, indem er sie mit Aggressivität kompensierte. Ich spekulierte, dass er auch das für seinen Vater tat. Gut möglich, dass ihm die Wurzel seiner Ängste selbst nicht bewusst war. Er muss gedacht haben: Wie kann man sich im Zeitalter der Raumfahrt und als Sohn eines bekannten Astronauten vor dem All fürchten? Die Reise nach Canis Major, mitten hinein in die Weiten des Universums, hatte seine Angst voll zum Erblühen gebracht.

Ich versprach Davis, dass wir uns seiner Angst annehmen würden, sobald er sich beruhigt hätte. Dann befahl ich die Rückkehr auf den alten Kurs – nicht ahnend, wie daneben ich mit meiner Einschätzung lag.

Es sollte eine lange Reise durch den Nebel werden, der sich nach Mulhollands Messungen drei Lichtjahre weit ausdehnte. Als ich mich nach Ende meiner Schicht schlafen legte und dabei über Davis‘ Tragödie nachdachte (warum musste der arme Tropf unbedingt Teil der längsten Raumexpedition in der Geschichte der Menschheit sein?), umgab uns das interstellare Gas bereits vollständig. Ich nickte im sanften Purpurdämmerlicht ein – und erwachte durch das keckernde Geschrei von Primaten.

Affen turnten durch das Schiff.

Sie machten einen solchen Lärm, dass ich mir nur den Morgenmantel überwarf, bevor ich die Kabine verließ. Bereits vor der Tür musste ich vor einem ausgewachsenen Schimpansen in Deckung gehen, der dicht an mir vorbeisprang, dabei aber einen guten Meter über dem Boden schwebte. Ich fragte mich als erstes, ob mit dem internen Gravitationsfeld des Schiffs etwas nicht stimmte – der Geist gebiert seltsame Gedanken, wenn er unter Schock steht. Dann wurde mir klar, dass ich halluzinierte oder träumte. Doch ehe ich in meine Kabine zurückkehren konnte, um mich wieder hinzulegen, kam mir Stark entgegen: Er war auf dem Weg zur Arrestzelle, von der aus ihn ein Notruf erreicht hatte. Mit dem seltsamen Gefühl, dass sich alles viel realer anfühlte, als es sollte, folgte ich Stark. Auf dem Weg zur Mittelebene des Schiffs, selbst auf den Leitern der Verbindungsröhren, mussten wir immer wieder kreischenden Affen ausweichen. Obwohl ich schon gesehen hatte, dass Stark den schwebenden Tieren ebenso auswich wie ich, fragte ich ihn, ob er die Affen auch sehen könne.

„Affen?“, rief er. „Ich sehe nur Hunde!“

Unsere kreischenden Gäste wurden rund um die Arrestzelle in der Mittelebene immer mehr. Im Flur zum Arrest begegneten wir einem völlig aufgelösten Tamaki, der sich mit einem Baseballschläger gegen die Affen verteidigte, wobei er etwas von wildgewordenen Pandas rief. Mulholland sahen wir auf einem Tisch, wo er mit offenem Mund einer Kolonie Kaninchen nachblickte, wie er uns später erzählte.

Als wir die Arrestzelle erreichten, stand ihre Tür bereits offen – und es begann das merkwürdigste Schauspiel, das ich in meinem Leben je gesehen habe. Davis versuchte die Gunst der Stunde zu nutzen und zu flüchten, doch sowie er in Erscheinung trat, stürzte sich ein gutes Dutzend Affen auf ihn. Der junge Mann hatte keine Chance und wurde im Nu ausgestreckt am Boden festgenagelt. Ein Schimpanse baute sich vor ihm auf, worauf das Geschrei verebbte, und plötzlich … sprach der Affe. Im ersten Moment vernahm ich nur ein undeutliches Geräusch, wie ein elektrisches Summen, aus dem mein Gehirn ganz allmählich zusammenhängende Wörter herausfilterte. Es hatte den Anschein, dass es sich bei den Affen um Kriminalpolizisten handelte, oder eine polizeiliche Sondereinheit, die gerade einen gesuchten Verbrecher stellt – nämlich Davis. Der Schimpanse, womöglich Captain dieses Kommandos, zählte eine ganze Reihe von Gesetzesübertretungen auf, von denen ich einige nicht verstand; Mord war jedenfalls darunter, Diebstahl, Flucht und zuletzt: die Infiltration einer fremden Spezies. Während der Ansprache bog sich Davis wie besessen unter den Affen, die ihn gepackt hielten. Der Schimpanse beendete seine Ansprache mit dem Befehl, dass sich der Übeltäter zeigen sollte.

In diesem Moment bäumte sich Davis mit einem Schrei auf – und aus seiner Brust sprang ein Affe. Es sah aus, als legte man zwei Spuren eines Films übereinander. Der kleine Schimpanse schlüpfte einfach aus Davis‘ Körper, ohne an diesem auch nur einen Kratzer zu hinterlassen. Während Davis‘ erschlaffte und das Bewusstsein verlor, packten die umstehenden Affen den kleinen Schimpansen und zerrten ihn aus dem Raum, indem sie einfach durch die Wand gingen. Stark sagte mir später, es sei ein kleiner Jack Russel Terrier gewesen, der aus Davis herausgesprungen sei, und Mulholland schwor, die Kaninchen hätten einen Fuchs davongezerrt – an seinem Schweif.

Der Schimpanse, den ich für eine Art Oberhaupt hielt, richtete das Wort an uns. Er entschuldigte sich für die Unannehmlichkeiten – der gesuchte Verbrecher sei für lange Zeit unauffindbar gewesen, weil er sich irgendwie in Davis versteckt hätte, wie ein Parasit in seinem Wirt. Das sei schon häufiger vorgekommen: Wenn Raumschiffe den Nebel durchquerten, geschah es immer wieder, dass sich Angehörige ihrer Spezies an ein Gehirn hängten und den Nebel auf diese Weise verließen. Durch die Rückführung des Gesuchten in die Heimat, hätten sie ihn nun endlich schnappen können. Ohne ein weiteres Wort zu verlieren, sich zu verabschieden oder gar unsere Fragen zu erwarten, drehte er sich um und verschwand durch die Wand, wie die anderen auch.

Wir durchsuchten das ganze Schiff, ohne noch eine Spur von unseren Besuchern zu finden.

Davis, der schon bald wieder zu sich kam, erinnerte sich nur dunkel an den Vorfall, um nicht zu sagen: an alle Vorfälle seit unserer Abreise nach Canis Major. Er wirkte ganz und gar verwandelt. Vor mir saß nun ein ausgeglichener, wenn auch recht erschöpfter junger Ingenieur mit dem gewissen Funkeln der Neugier in den Augen, das auch Mulholland so schön anzusehen ist. Ich sah keine Notwendigkeit mehr darin, Davis in der Arrestzelle zu lassen, und schickte ihn und alle anderen ins Bett. So konnte ich mir in Ruhe überlegen, was ich Ihnen schreiben würde. Schlafen konnte ich ja ohnehin nicht mehr.

Meine Mitarbeiter werden wohl erst morgen anfangen, zu realisieren, was die heutige Nacht uns enthüllt hat. Zum einen hat sie uns die Grenzen unserer fünf Sinne aufgezeigt. Gewiss haben Sie schon einmal diese philosophische Frage gehört: Wie würde man einer außerirdischen Spezies den Begriff Farbe erklären, wenn sie kein Organ besitzt, um Licht wahrzunehmen? Ich für meinen Teil habe mich nie gefragt, ob nicht ich es sein könnte, der ein solches Organ fehlte. Nach meiner Interpretation der Ereignisse sind wir einer Daseinsform begegnet, die wir mit unseren fünf Sinnen nicht wahrnehmen können. Anscheinend war unser Gehirn aber doch dazu imstande, etwas wahrzunehmen, und weil es die empfangenen Eindrücke nicht sinnlich übersetzen konnte, produzierte es eben Bilder, die wir kannten – Affen, Hunde, Pandas und Kaninchen.

Ich wünsche mir, dass dieser erste Kontakt zu einer amüsanten Anekdote wird, die wir einander erzählen, wenn wir mit anderen Spezies zusammensitzen und auf die intergalaktische Freundschaft anstoßen. Dass es irgendwann dazu kommt, daran habe ich keine Zweifel mehr. Denn das Wichtigste an der heutigen Nacht ist die Botschaft, die uns die Unsichtbaren – mehr versehentlich als bewusst – überbracht haben: Immer wieder hängen sich Angehörige dieser Spezies an die Gehirne vorbeifliegender Raumschiffinsassen. Das ist wunderbar. Es bedeutet, dass wir wieder hoffen dürfen.

Wir sind nicht allein.

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