Lesung aus Cronos Cube 1-4

Übermorgen erscheint der letzte Band meiner Science-Fiction-Reihe Cronos Cube. Damit endet für mich ein wichtiger Lebensabschnitt, der gebührend verabschiedet werden will.

Am Freitag, ab 20 Uhr, schaue ich zurück auf die Anfänge, lese aus allen vier Teilen und verrate euch, wie es jetzt für mich weitergeht.

Die Lesung ist kostenfrei, eine freiwillige Spende ist aber willkommen – über den PayPal-Button hier auf der Seite oder über die Adresse in der Beschreibung auf YouTube. Danke!

Der Autorenbrief #6

Jetzt, wo sich draußen mal wieder der Schnee türmt, ist die Zeit für Gartenthemen gekommen. Der heutige Autorenbrief ist daher ein rebellischer Akt gegen den Winter: Draußen mag es kalt sein, aber im Kopf ist schon alles grün.

Die Villa KuK: Ein Hexengarten entsteht

Das Schwarze Bilsenkraut. Foto: Jaanus Leoste

Und wie grün. Es ist eine Sucht. So muss es sich anfühlen, in Minecraft mit dem Bauen zu beginnen: so viel freie Fläche, so viele Möglichkeiten. Und niemand schreibt dir vor, was du zu tun und zu lassen hast. Na gut, fast niemand. Aber was mein jüngstes Projekt betrifft, haben meine Mitbewohner durchaus berechtigte Einwände.

Sie haben mir nämlich verboten, Fingerhut und Stechapfel anzupflanzen. In diesem Haus leben drei Kinder, ein viertes ist unterwegs, da haben Giftpflanzen im Garten einfach nichts zu suchen. Auch nicht solche wie der Gefleckte Schierling, Eisenhut oder das Schwarze Bilsenkraut, drei der giftigsten Pflanzen, die in Europa heimisch sind. Allein die Samen des Schierlings sind so giftig, dass man beim Aussäen Handschuhe tragen müsste. Sokrates wurde mit einem Schierlingstrunk hingerichtet. Das Gift kann durch die Haut eindringen und dich innerhalb einer halben Stunde durch Atemlähmung töten. Und sowas wächst auf unseren Äckern!

Okay, ich bleibe vernünftig und lasse die Finger vom Schierling. Ich bin eigentlich ein großer Schisser, wenn es um sowas geht, und würde mich der Pflanze vermutlich nur mit ABC-Schutzanzug nähern. Aber für alles andere habe ich eine Lösung gefunden: Ich lege einen Hexengarten an. Einen kleinen Bereich, der mit einem Zaun gesichert wird.

Hinter der Garage haben wir ein dreieckiges Wiesenstück, das uns zum Teil als Nutzgarten dienen wird. Mit zwei Planen habe ich über den Winter ein Beetstück vorbereitet, das umgepflügt wird, sobald der Schnee weg ist. Gegenüber sollen die Bohnen, die Kartoffeln, die Zucchini und der Hopfen wachsen. Und ganz hinten, wo sich die Zäune im spitzen Winkel treffen, fernab der Spielflächen der Kinder, ist Platz für den interessanten Kram.

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Der Autorenbrief #5

Vier Erwachsene, drei Kinder, drei Katzen und jetzt noch eine Schwangerschaft: Seit Juli 2020 leben mein Mann und ich in einer Zwei-Familien-WG. Das Modell bringt Menschen an ihre Grenzen, die gar nicht bei uns wohnen. Dabei ist es höchste Zeit, das Wohnen neu zu denken – nicht nur, aber vor allem wegen der explodierenden Mieten.

Die Villa KuK: Wohnen neu gedacht

Jetzt muss ich erstmal ein bisschen angeben. Wir leben nämlich in einem riesigen, romantischen Holzhaus. Es hat drei Stockwerke, eine Fußbodenheizung, mehrere Bäder, zwei große Eckbadewannen, ein voll ausgebautes Untergeschoss mit Sauna, Hobbyraum und Waschkeller, einen umlaufenden Balkon, eine riesige Terrasse und einen Garten mit Wiesen, Hochbeeten, Bäumchen … Wenn ich das so aufzähle, müsst ihr denken, wir wären reich. Nun, wenn wir uns eine Miete von 3000 Euro leisten könnten, denn das kostet dieses Haus monatlich, wären wir das ganz sicher. Aber wie die meisten Menschen sind wir’s nicht.

Das Leben als Normalverdiener ist in Oberbayern schwierig geworden. Oder sollte es inzwischen nicht sogar heißen: in Deutschland? 2020 sind die Mieten zwar nicht mehr so extrem gestiegen wie in den Jahren zuvor – nur um 1,6 Prozent im Vergleich zum Vorjahr, zeigt eine Auswertung des Immobiliendienstleisters Value AG für Zeit Online. Aber die Steigerungen um bis zu fünf Prozent, die der Mietmarkt in den vergangenen Jahren zu verzeichnen hatte, lösen sich dadurch nicht in Luft auf. Gleichzeitig haben sich die Reallöhne von 2007 bis 2019 nur um ein Prozent pro Jahr erhöht, schreibt die Bundeszentrale für politische Bildung.

Und jenseits der Statistik gibt es ja auch noch das richtige Leben: Menschen werden krank oder gekündigt, neue Kinder geboren und Eltern alleinerziehend. Das Auto braucht Sprit, der Hund eine OP, der Teenager einen funktionierenden Computer fürs Homeschooling – und ein Bett im Schullandheim. Finanziert wird das alles von dem Geld, das nach der Miete übrig bleibt. Steigen also die Löhne um ein Prozent, knallt keiner mit Korken, wenn zugleich die Miete um 200 Euro anschwillt – oder gar ein Umzug unvermeidbar wird.

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Der Autorenbrief #4

Nach meinem letzten Autorenbrief erreichte mich über Twitter die Frage, wie viel ich vor Cronos Cube geschrieben hätte – aufbauend auf einem Ratschlag des Fantasy-Autors David Eddings an Jungautoren: “Schreibe 10 000 Seiten und verbrenne sie. Dann fang nochmal an.” Der Satz hat etwas Wahres an sich. Aber wie viele Seiten waren es eigentlich bei mir?

Phasen der Entwicklung

Es waren viele Seiten, sehr viele, und ich bin froh darüber. Denn die Entdeckung des inneren literarischen Kompasses und das Erlernen des Schreibhandwerks ist ein so erfüllender und erhellender Prozess, dass ich niemandem raten würde, darauf zu verzichten.

Meine (noch lange nicht abgeschlossene) Entwicklung vollzog sich bisher in neun Schritten: Sturm und Drang, Popstar der Literatur, Perfektionismus, Hammer der Ernüchterung, Zeit der Entwicklung, glitschige Fische, Heureka-Moment, Verantwortung und Gesellenstück.

1.     Unkontrolliertes Sturm-und-Drang-Schreiben. Eine Idee kommt und muss sofort zu Papier. Jeder Satz klingt perfekt, weil er beim Lesen die Erinnerung an die Szene weckt, die ich beim Schreiben im Kopf gehabt habe. Es geht weniger darum, irgendwelche Leser mit auf eine Reise zu nehmen. Ich reise allein. Da bin ich zwischen neun und 15 Jahre alt.

2.     Inzwischen haben so viele Freunde meine Texte gelobt, dass ich mich wie ein werdender Popstar der Literatur fühle. Meine literarischen Vorbilder sind auf einmal meine Konkurrenten, und jeder, der meine Genialität nicht anerkennt, wird leidenschaftlich gehasst. Um meiner neu entdeckten Brillanz gerecht zu werden, schreibe ich jeden Satz, jede Seite hundertmal um. Ich schreibe viel, aber nichts fertig. Ich bin davon überzeugt, mein Text wird umso besser, je verschachtelter die Sätze sind. Wer schlicht und einfach schreibt, hat es halt einfach nicht drauf! Das nenne ich übrigens Perfektionismus. Ich bin zwischen 16 und 20 Jahre alt.

3.     Während ich meinen Perfektionismus pflege wie ein liebgewonnenes Haustier, fällt mir auf, dass es noch etwas gibt, das Texte verbessert: Recherche. Ich habe zwar keine Ahnung, wie man recherchiert, aber ich schreibe gerade einen Fantasyroman, der in einem gigantischen Palast spielt (Größenwahn auf allen Ebenen). Also laufe ich ins Deutsche Museum und schreibe mir alle Begriffe auf, die interessant klingen, um sie dann in meinen Text einzubauen. Und zwar alle. Mann, wird mich das klug und gebildet aussehen lassen! Ich bin zwischen 19 und 20 Jahre alt.

4.     Der Hammer der Ernüchterung fällt. Mein Fantasyroman ist fertig, zumindest der erste Band. 800 restlos überladene Seiten, keine Ahnung, worum es genau geht, deshalb ist die Handlung auch nicht abgeschlossen. Es hat sich gut angefühlt, sie zu schreiben. Aber das gute Gefühl ist verflogen. Was ich da produziert habe, kann ich keinem Verlag zeigen. Ich wüsste nicht mal, wo ich mit dem Überarbeiten anfangen soll. Ich bin 20 Jahre alt.

5.     Zäsur. Nach drei Jahren des Rotierens und Ruderns rund um ein neues Projekt herum, bekomme ich ein Praktikum bei der Süddeutschen Zeitung. Schluss mit Sturm und Drang, es ist die Zeit der Entwicklung. Ab jetzt wird gelernt. Meine Chefin schleudert mir alles um die Ohren, was ich verbocke. Sprachliche Schnitzer, unpräzises Geschwurbel, falsche Strukturen, fehlende Informationen. Ich weiß nichts von meinem ADHS, aber ich will mich verwandeln, ich will, ich will, ich will so unbedingt, dass ich alles aufsauge, was mir beigebracht wird. Ich denke nicht mehr, ich wäre brillant. Die Menschen um mich herum indes sind es. Nebenbei hole ich das Abi nach. Danach will ich eigentlich studieren. Aber die Redaktionsleitung bietet mir eine Pauschalistenstelle bei der SZ an – ohne Studium, ohne Ausbildung, einfach nur, weil ich so lernwillig und aufnahmefähig bin. Wahnsinn! Ich bleibe acht Jahre bei der SZ, durchlaufe Hochs und Tiefs. Als ich die Redaktion verlasse, habe ich das Gefühl, nichts mehr dazulernen zu können. Ich bin derweil zwischen 23 und 31 Jahre alt.

6.     Während meiner Zeit bei der SZ entdecke ich neue Vorbilder. Patricia Highsmith auf der literarischen, Wolf Schneider auf der sprachlichen und Robert McKee sowie Linda Seger auf der fachlichen Seite. Ich lese Literaturschlüssel aus dem Reclam-Verlag, analysiere Filme. Auf einmal fühlen sich meine Geschichten an wie glitschige Fische, die ich festzuhalten versuche. Wie zum Teufel geht das mit der Struktur? Während ich ein System nach dem anderen ausprobiere – Notizbücher, Fäden an der Wand, Karteikarten, Diagramme, Schaubilder auf Karton und so weiter – und regelmäßig alles anbrülle, was nicht rechtzeitig in Deckung gegangen ist, fange ich an zu begreifen. Ich bin irgendwo in den 20ern.

7.     Die Haupthandlung, das, worum es geht, ist mein roter Faden. Die Plotpoints sind die Nieten, die den roten Faden befestigen. Die Hinleitung zu den Plotpoints ist wie eine Rampe. Je unerwarteter die Wendung, desto wirkungsvoller der Plotpoint. Und je näher ich am roten Faden bleibe, desto dichter ist die Handlung. Figurendesign basiert auf Widersprüchen, Beziehungsdesign auf Kontrasten. Handlung entsteht aus Konflikt. Ich arbeite seit ein paar Jahren an Cronos Cube, als ich endlich meinen Heureka-Moment habe. Ich verwerfe alles und fühle mich wahnsinnig professionell, als ich das ganze Buch neu strukturiere. Noch habe ich mein Handwerk nur begriffen, nicht verinnerlicht. Aber was jetzt entsteht, ist tausendmal besser als alles, was ich je geschrieben habe. Die Welt, die ich mir ausgedacht habe, und ihre Figuren bekommen nun ein richtiges Haus, in dem sie wohnen können. Es ist zwar immer noch zu groß, immer noch zu verschachtelt, aber es ist ein Haus. Ich bin 27.

8.     Was ich bei der SZ gelernt und mir zu Hause selbst erarbeitet habe, kulminiert in meinen ersten Recherchereisen. Es geht nach Irland. Ich war dort noch nie, aber ich habe mir diesen Ort für meine Geschichte ausgesucht, und deshalb muss ich ihn mir jetzt erschließen. Anfangs fliege ich nur mit meinem Lebensgefährten. Als ich das erste Mal allein nach Irland reise, ist das ein gewaltiger Schritt für mich. Mit den Ortsrecherchen werde ich erwachsen. Ich trage Verantwortung. Für meine Sicherheit, aber auch für das Projekt. Das ist kein Urlaub, sage ich mir. Das ist Arbeit. Zwei Jahre lang bin ich in jeder Minute geistig in Cronos, bei Lachlan und Zack, bei ihrem Konflikt, ihrer Story, dem roten Faden ihres Wegs und ihrer Entwicklung. 2016 ist Cronos Cube fertig. Und ich bin 29 Jahre alt.

9.     Cronos Cube ist das Kind meiner Zwanziger. Es ist mein Gesellenstück, und das merkt man ihm an. Sturm und Drang treffen auf journalistische Lehrjahre und den ersten Versuch, zu viel Handlung und zu viele Details in eine übersichtliche Storystruktur zu gießen. Es fehlt diesem Buch noch an so vielem. An Genrekonventionen, an Konzentration, an Reduktion. Cronos Cube ist auch das Kind meines unentdeckten ADHS. Nie wieder werde ich so ein Buch schreiben können. Das ist zugleich schade und gut. Schade, weil Cronos Cube so unkonventionell ist, dass der Liesmich Verlag es herausgebracht hat. Gut, weil ich inzwischen weitergezogen bin, zum Oetinger Verlag, zur Agentur Michael Meller, in die Welt der Publikumsbücher. Ich bin 30 Jahre alt, als Cronos Cube beim Liesmich Verlag erscheint, und 31, als Oetinger Taschenbuch es neu auflegt.

Bis zur Endfassung von Cronos Cube habe ich 10 000 Seiten verworfen. Mindestens. Ich trauere keiner einzigen Seite nach, denn das wenigste von dem, was man als junger Autor oder junge Autorin schreibt, ist Gold. Der Wert dieser Seiten liegt in ihrem Beitrag zu unserer Entwicklung.

David Eddings Aussage: “Schreibe 10 000 Seiten und verbrenne sie. Dann fang nochmal an”, ist daher wahr. Sie sagt aus: Halte nicht alles, was du am Anfang schreibst, für lesenswert. Betrachte es kritisch und finde heraus, was du besser machen kannst. Dann mache es besser, und betrachte auch das kritisch. Irgendwann hast du so viel geschrieben, dass du von dir behaupten kannst, Übung und Erfahrung zu haben. Und mit diesen beiden Werkzeugen an der Hand schreibst du dein erstes Buch.

Der Begriff „junger Autor oder junge Autorin“ bezieht sich übrigens nicht auf das Alter. Auch, wenn ihr über 40 oder 80 Jahre alt seid, hindert euch nichts daran, mit dem Schreiben zu beginnen. Dann seid auch ihr junge AutorInnen. Und für euch gilt das gleiche wie für AutorInnen Anfang 20. Charles Chadwick war 72, als sein erster Roman, „Ein unauffälliger Mann“, erschienen ist. Ich weiß zwar nicht, wie viele Seiten Chadwick zuvor verworfen hat, aber sein Beispiel zeigt: Es ist nie zu spät.

Viel Spaß beim Schreiben!

Eure Thekla

Der Autorenbrief #3

Habe ich Talent? Ja, ich glaube schon. Aber hat mich mein Talent zur Schriftstellerin gemacht? Nein! Heute will ich euch zeigen, warum ich denke, dass Talent überbewertet wird, und wieso ihr ohne Talent sogar bessere AutorInnen werden könntet als andere, die begabt sind.

Über das Schreiben: Vom Wert des Talents

Mein Mitbewohner hat ein Talent fürs Geschichtenerzählen. Wenn er etwas erzählt, höre ich gern zu und fiebere mit. Manchmal schmeiße ich mich auch weg vor Lachen. Außerdem koordiniert und verfasst er das interaktive Textadventure zur Cronos Cube auf Twitter, in dem er immer wieder zeigt, dass er weiß, wie man eine flotte und spannende Handlung entwirft und langfristig verfolgt. Was er (noch) nicht kann?

Schreiben.

Ich kam auf dieses Thema, weil er mir letztens ein selbst verfasstes DnD-Abenteuer gezeigt hat. Eine Textart, die sich wie ein Bericht liest, weil sie nicht dazu dient, den LeserInnen einen Film vorzuspielen oder sie gar mit sprachlichen Finessen zu beglücken. Für ein Pen-and-Paper-Abenteuer war es gut geschrieben, es erfüllte alle formellen Anforderungen, ließ sich flüssig lesen und enthielt keine Schnörkel.

Nun hat mein Mitbewohner aber auch mal ein kleines Stück Fiktion verfasst. Einen Dialog. Witzig und originell, aber so gut wie unlesbar. Die Rechtschreibung war zum Fürchten und der Text so unübersichtlich strukturiert, dass ich ihm kaum folgen konnte. Okay, das sind nur formelle Kritikpunkte, die sich leicht beheben lassen. Ein anderer kurzer Text von ihm, den ich mal lesen durfte, war mit Insidern und Metaphern so überladen, dass er sich nur schwer aufnehmen ließ. Fehlt meinem Mitbewohner also einfach das Talent zum Schreiben? Soll er es am besten gleich bleiben lassen, sich gar nicht erst an einem Roman versuchen?

Das hat er mich nicht im Wortlaut gefragt, aber so hat er’s gemeint, als wir uns neulich über den Schreibstil seines DnD-Abenteuers unterhalten haben. Es ist mir nicht mehr aus dem Kopf gegangen. Braucht man zum Schreiben eines Romans Talent? Und falls ja, welches Talent? Und wie viel davon? Und wenn man überhaupt keines hat, was dann?

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Der Autorenbrief #2

Ich war immer ein Alien. In meiner Jugend bezeichneten mich Freunde als „Wüstenrennmaus auf Speed“. Ich habe fast immer in einer Traumwelt gelebt, war der Klassenclown, hatte Anpassungsprobleme und konnte mich nicht benehmen, weder als Kind noch später im Job, wo mich alles überforderte. Und trotzdem musste ich bis zur Diagnose 34 Jahre alt werden.

ADHS: Vom Verdacht zur Diagnostik

Wenn ihr vermutet, dass ihr ADHS habt, zögert nicht, zur Diagnostik zu gehen. Ob euer Verdacht bestätigt wird oder nicht, ist dabei gar nicht so wichtig. Die Antwort wird euch auf die eine oder andere Weise weiterbringen. Entweder endet eure Suche und ihr habt eine Erklärung für das, was euch das Leben schwermacht. Oder ihr wisst, dass ihr die Suche woanders fortsetzen müsst, falls ihr das denn möchtet.

In diesem Autorenbrief will ich euch daher darlegen, welche Zweifel mich umgetrieben haben, was mich am Ende dann doch in die Klinik getrieben hat und – vielleicht das Wichtigste – wie ihr zu einer Diagnostik kommt.

Aus Kindern mit ADHS werden Erwachsene mit ADHS – auch aus den Kindern, die nie diagnostiziert worden sind. 60 Prozent aller ADHS-Kinder zeigen im Erwachsenenalter weiterhin Symptome (laut Wender, Wolf und Wasserstein in den Annals of the New York Academy of Sciences, 2001, zitiert nach adhs-deutschland.de). Daraus entwickeln sich entsprechende Biografien, die von abgebrochenen Ausbildungen, Jobkündigungen, unbeendetem Studium und Arbeitslosigkeit gezeichnet sind.

Das ist noch lange nicht bei allen Menschen angekommen, auch nicht bei den Ärzten und Psychologen. Das Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte hat Methylphenidat erst 2011 für Erwachsene zugelassen. Noch immer hält sich der Irrglaube, dass sich ADHS mit dem Erwachsenwerden einfach in Luft auflöst. Das liegt daran, dass Betroffene mit der Zeit Strategien entwickeln, um irgendwie zurechtzukommen.

Warum Eltern darauf verzichten, mit ihren Kindern zum Arzt zu gehen, hat sicher ganz verschiedene Gründe. Manche halten es für persönliches Versagen, andere glauben vielleicht immer noch, dass es sich bei ADHS um eine Modediagnose handle und der Zappelphilipp ein Charakterzug sei. Je nach Ausprägung mag das der Fall sein, nicht jedes lebhafte Kind hat gleich ADHS. Aber wenn dahinter eine neurologische Stoffwechselstörung steckt, ist therapeutische und medizinische Hilfe einfach unverzichtbar.

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Der Autorenbrief #1

Dies ist mein erster Newsletter. Es könnte auch mein letzter sein. Nicht, dass ich das hoffte: Ich habe hier eine lange Themenliste, die ich samt und sonders besprechen will. Und doch könnte es sein, dass ich nicht einen einzigen Artikel von dieser Liste abhaken werde. Ich kenne mich nämlich.

Warum das Newsletter-Projekt
scheitern kann – und darf

Ich kenne mich inzwischen sogar besser als je zuvor. Denn vor zweieinhalb Wochen habe ich etwas Neues über mich erfahren: Ich habe ADHS. Damit lebe ich zwar schon mein ganzes Leben, aber erst jetzt wird mir so manches klar. Zum Beispiel, warum solche Ideen wie das Newsletter-Projekt bei mir immer so schnell abbrennen wie Strohfeuer. Warum ich dazu tendiere, mir zu viel vorzunehmen und unter dem Druck dann einknicke.

Das Wichtigste, was ich durch die Diagnose gelernt habe, ist, dass das okay ist. Ich muss nicht alles beenden, was ich angefangen habe (zumindest, solange kein Vertrag unterzeichnet ist). Anfangen darf ich trotzdem. Und genau das geschieht hier und jetzt.

Was ich mit euch vorhabe

Mein Newsletter soll sich um die zwei zentralen Themen meines Lebens drehen, das Schreiben und ADHS, einzeln und in Kombination. Das heißt, ich erzähle euch zum einen etwas darüber, wie und wann ihr an Agenturen und Verlage herantreten solltet, welche Schreibtipps ich für relevant halte und welchen Stellenwert Sprache und Handlung für mich haben.

Zum anderen berichte ich euch von meinem Weg zur ADHS-Diagnostik, was in der Klinik gemacht wurde und wie sich die Diagnose ausgewirkt hat. Und dann kombiniere ich diese beiden Themen und lasse euch teilhaben an meinem Kampf mit dem, was ich den glitschigen Fisch nenne.

Das Schreiben kann für Menschen mit ADHS sehr heilsam sein, denn es ist sowohl eine Konzentrationsübung als auch ein Weg aus dem stressig-lauten Alltag. Aber aus dem typischen ADHS-Kopfchaos kann nur schwer eine strukturierte und verlässliche schriftstellerische Tätigkeit hervorgehen. Wie das bei mir geklappt hat, will ich euch also unter der Rubrik Schreiben mit ADHS näherbringen.

Und dann sind da noch die anderen Themen, über die ich wirklich gerne sprechen möchte, die euch aber vielleicht gar nicht so interessieren. Diese Newsletter überspringt ihr dann am besten einfach.

In ihnen soll es zum Beispiel um meine Arbeit gehen, um Cronos Cube oder das, woran ich gerade schreibe, um Erscheinungstermine, Auftritte auf Messen oder bei Lesungen und so weiter und so fort. Oder um unser aller Leben in der Villa KuK, denn mein Mann und ich wohnen seit sieben Monaten in einer WG mit einer befreundeten Familie. Wir teilen uns die Miete für ein großes, wunderschönes Holzhaus, das einen riesigen Garten hat. Das Zusammenleben bringt genauso viel Freude wie Probleme mit sich, die es zu bewältigen gilt.

Weil ich dadurch jetzt so viel Platz habe und eine leidenschaftliche Hobby-Gärtnerin bin, soll es ab und zu auch um Pflanzen und Käfer gehen. Und wenn dann noch Zeit bleibt oder sich ein Thema aufdrängt, auch mal um Netflix und Games.

Unter diesem Link könnt ihr euch zum Newsletter anmelden. (Falls ihr euch zuvor zum Newsletter dieser Website angemeldet hattet: Der Versand hat nie funktioniert und ich konnte nicht herausfinden, warum. Deshalb bin ich zu Revue gewechselt, wo alles reibungslos klappt. Bitte meldet euch dort neu an.)

Danke für eure Zeit! Und hoffentlich bis bald. <3

Eure Thekla

Drei Wochen ohne Smartphone: War da was?

Vieles hat sich verändert: Hing ich nicht noch vor drei Wochen von früh bis spät an diesem leuchtenden Rechteck? Das Smartphone ist wie ein Stein am Meeresgrund gewesen. Als ich es aus meinem Leben entfernte, wurde die Lücke sofort von Wasser und Sand geschlossen. Und jetzt lässt nichts mehr darauf schließen, dass da mal ein Stein gelegen hat.

Habe ich weniger Kontakt zu Freunden?

Nein. Im Gegenteil. Wenn ich am Laptop bin und mir die Zeit zum Chatten nehme, sind die Gespräche konzentrierter und persönlicher. Ich sage häufiger Guten Morgen und Gute Nacht, und wenn ich weg bin, bin ich auch wirklich weg, weil ich das Gespräch nicht mit aufs Klo, an den Esstisch oder ins Bett nehme. Ich habe nicht weniger, dafür aber besseren Kontakt zu den Freunden, mit denen ich hauptsächlich über Telegram den Kontakt pflegen kann und muss. Und WhatsApp vermisse ich überhaupt nicht, in keiner Sekunde. Alle wichtigen Menschen sind ja noch da.

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Thriller mit Weggefährten

EisfieberEisfieber von Ken Follett
Meine Bewertung: 5 von 5 Sternen

In der Nacht nach der letzten Seite habe ich davon geträumt, wie ich jemandem von “Eisfieber” vorschwärme – das Buch hat also Eindruck hinterlassen. Ich dachte, ich lese nur einen spannenden Thriller, aber stattdessen bekam ich obendrein eine ganze Palette eingängiger, sympathischer Figuren präsentiert, deren Schicksal ich wirklich gern verfolgt habe, die mich manchmal aufgeregt und gerührt haben, und die ich am Enden loslassen musste wie liebgewonnene Weggefährten. Follett ist einfach ein Geschichtenerzähler, der seinesgleichen sucht. Davon abgesehen hat mich mal wieder enorm beeindruckt, wie präzise das Buch durchrecherchiert ist, vom klaren, schnörkellosen Schreibstil ganz zu schweigen.

Alle meine Reviews auf Goodreads

Wieso ich mein Smartphone gegen ein Klapphandy eingetauscht habe

Dieser Text ist ein Gegengift gegen die Sucht. Er ist lang. Wenn Sie es schaffen, ihn zu Ende zu lesen, können Sie sich glücklich schätzen. Sie gehören noch nicht zu den Smartphone-Junkies, die so viele soziale Medien konsumieren, dass sie ihre Konzentrationsfähigkeit verloren haben.

Ich habe jetzt ein Klapphandy. Das Smartphone habe ich vergangene Woche aufs Werkseinstellung zurückgesetzt und verschenkt, an ein Kind, das damit seither jeden Zentimeter unserer Wohnung ablichtet. Damit war ich offiziell smartphonefrei und bis zum Eintreffen meines neuen Klapphandys nicht einmal erreichbar. „Voll Retro!“, sagen die Leute, wenn ich ihnen von diesem altmodischen Ding erzähle, das in Wahrheit, ich konnte es auch nicht glauben, erst 2018 produziert wurde.

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