Blinder Passagier

Vorgestern habe ich mit einer Datensicherung begonnen und seither tauchen ständig Texte auf, die ich vor einer Ewigkeit geschrieben und danach völlig vergessen habe. Das hier ist so ein Text – mein erster Versuch einer sogenannten Hard Science-Fiction. Ich halte ihn weder für außergewöhnlich kreativ noch für glänzend geschrieben. Aber der Kerngedanke ist recht interessant: Würde es uns nicht verrückt machen, müssten wir eines Tages herausfinden, dass wir doch allein im All sind? Die Vorstellung ist für mich unerträglich. → weiterlesen

Sebastian

Vor zwei Jahren habe ich diesen Roman begonnen – wahrscheinlich aus einer Laune heraus und äußerst spontan, denn ich konnte mich gar nicht mehr daran erinnern. Bis eben, als ich den Text beim Aufräumen wiedergefunden habe. Er ist ganz anders geschrieben als alles, was ich sonst so tippe. Wo wollte ich damit nur hin? Und welcher Teil von mir hat das geschrieben?

Hier, für euch: das Romanfragment “Sebastian”. → weiterlesen

Zwei Frauen an einem Tisch

Jetzt sitzen sich die beiden tatsächlich gegenüber, und Kathy ist schuld. Wie hat sie das nur gemacht? Mit ein paar gezielten Fragen hat sie in Form und Farbe gebracht, was noch eine Stunde zuvor eine vage Gestalt im Chaos war. Ich kann mich glücklich schätzen, so kluge Menschen zu meinen Freunden zählen zu dürfen.

Wie in Ich bin ich und ich bereits berichtet, beschäftige mich gerade mit Ego-States, also mit den Ich-Zuständen, die mein Bewusstsein bilden, so wie viele Blumen einen Strauß ergeben. Gekommen bin ich darauf durch meine Recherche zur dissoziativen Identitätsstörung (DIS). An einem Abend in unserer Stammbar zeigt sich, dass Kathy das Konzept aus der neurolinguistischen Programmierung (NLP) kennt. Nur heißen die Ego-States dort einfach Teile.

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Der Holzstern

Ihr kennt ihn bestimmt, diesen Dialog im Kopf. Ihr macht irgendetwas, das nicht sofort klappen will, und dann sagt diese Stimme: “Du schaffst das eh nicht.” Und ihr wiederholt unbewusst: “Ich schaff das eh nicht.” Und so geschieht es.

Ich habe diese Stimme auch, und heute hat sie einen Namen bekommen.

Ganz großes Kopfkino

Vor ein paar Jahren schenkte mir eine Freundin ein Set aus vier Holzpuzzles. Das sind dreidimensionale Figuren aus kompliziert ineinander verschachtelten Teilen, ähnlich den von mir sehr geliebten Metallpuzzles, in denen ich versinken kann und die ich immer irgendwann löse, egal, wie schwierig sie sind.

Vor den Holzpuzzles hatte ich bislang zu viel Respekt, um sie anzugehen. Und auch ein bisschen Angst. Denn ich bin ungeduldig, und wenn etwas nicht so hinhaut, wie ich mir das vorstelle, dann kann ich explodieren. Ich will das gar nicht, ich hasse es, mir dabei zusehen zu müssen. “Das ist ungerecht, jemand will mich verarschen, ich verstehe das nicht!” Mit diesen Gedanken bläht sich etwas in mir auf und RUMMS! gehe ich in die Luft wie ein berstender Druckkessel.

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Ich bin ich und ich

Hier liegt seit Jahren ein kleiner Post-it-Zettel herum. Der Klebestreifen ist schon ganz fusselig, auf der Oberfläche klebt Staub, die gelbe Farbe wirkt ein wenig blass und das Papier brüchig. Auf dem Zettel steht kein besonders brillanter Satz, und trotzdem war es mir in all der Zeit nicht möglich, ihn zu entsorgen:

“Das eigene Ich bleibt bis zu einem gewissen Grad ein Rätsel.”

Ich glaube nicht, dass ich ihn aufgehoben habe, um mich an diese einfache Erkenntnis zu erinnern (denn ich kann nicht behaupten, sie seither auch nur einen Tag lang vergessen zu haben). Viel mehr erinnert mich der Zettel an die Tatsache, dass ich schon sehr lange auf der Suche nach meinem, nun ja, wahren Ich bin, und dass ich ebenso lange keine klare Antwort auf die Frage habe, wer ich bin.

Bin ich mein Name? Bin ich die Summe meiner Eigenschaften oder die Summe meiner Taten? Bin ich das, was ich denke, was ich fühle? Bin ich die Frau, die mich anguckt, wenn ich in den Spiegel blicke? Oder das Bild, das ich selbst von mir habe? Ich würde heute sagen, ich bin das alles auch. Es sind kleine Fragmente.

Eine unbefriedigende Antwort.

Eine bessere konnte mir bislang aber niemand geben. Lange sah es so aus, als endete meine Reise vor dieser Mauer, und das Rätsel sollte nie gelöst werden. Bis ich vor kurzem eine neue Tür entdeckt habe. Spoiler: Ich bin viele.

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Hell-Dunkel-Phasen

Diese Woche ging es bei uns drunter und drüber. Am Sonntag war das Konto leer, am Montag retteten uns mehr als 30 großzügige Freunde und Twitterer mit Spenden (ihr seid der Wahnsinn!), am Donnerstag bekamen wir Hasspost und heute liege ich danieder mit meinen Tagen – aber hey, das heißt zumindest, dass das PMS überstanden ist und ich vorerst niemanden mehr töten will.

Alles in allem muss ich festhalten, dass doch immer noch mehr gute als schlechte Dinge passieren. Im September darf ich der Welt endlich die schönste aller Neuigkeiten mitteilen. Auch gut: Mein neuer Roman Aurel Aspen ist fertig, und ich glaube, er ist ganz passabel geworden. Die Story habe ich seit 2011 mit mir herumgeschleppt, aber ich musste erst 30 werden, um den nötigen Zugang zu Aurel zu bekommen. Die Arbeiten daran haben etwa zehn Monate gedauert.

Bevor ich mich wieder an Cronos Cube 2 setze, bringe ich Cronos Cube: Finsterphasen voran. Das dritte Kapitel ist jetzt online, hier könnt ihr es lesen. Ich wünsche euch viel Spaß und mir eine ruhigere neue Woche. Ciao!

Schluck das, Depression!

Es steht heute 24:6 für die Disziplin. Lediglich sechs Punkte hat sich in den vergangenen vier Wochen die Depression geholt; ein Verhältnis von vier zu eins. Im Schnitt habe ich also alle fünf Tage einen depressiven Einbruch. Ansonsten läuft alles super – könnte man meinen.

So golden ist die Lage dann zwar doch wieder nicht. Aber sie ist auch nicht mehr aussichtslos. Nicht einmal an den Tagen, an denen mir die Depression das einreden will. Denn ich habe eine neue Waffe: die Statistik.

Dabei ist das nur die halbe Wahrheit. Es geht nicht nur darum, die guten Tage zu sammeln und sich an schlechten Tagen an sie zu erinnern – jeder mit Depressionen weiß, dass das nicht funktioniert. Es geht um mehr: um einen Wettkampf, ausgetragen in der Öffentlichkeit eines sozialen Netzwerkes, in unserem Fall Twitter. Und um Gemeinschaft, Bestätigung, Routine und Visualisierung. Nennen wir das Duell #Depribattle.

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Der Fußballheld

Ich werde euch jetzt die verrückteste Geschichte eures Lebens erzählen. So eine Geschichte habt ihr noch nie gehört, das verspreche ich euch. Und das Beste an ihr: Sie ist von vorne bis hinten wahr. Ihr werdet sie mir zwar nicht glauben – ich kann sie ja selbst fast nicht glauben. Aber trotzdem versichere ich euch, dass ich nichts erfinde.

Es passierte kurz nach meinem zehnten Geburtstag. Ich war mit meinen Mannschaftskollegen draußen auf dem Platz. Wir waren alle total aufgeregt, weil uns ein wichtiges Spiel bevorstand. Es war das wichtigste Spiel überhaupt! Der FC Bayern wollte uns bald besuchen und gegen uns kicken. Wir trainierten deshalb wie die Verrückten. Alle waren total aufgedreht. Maxi rannte sogar in Socken auf den Platz, weil er vor Aufregung vergaß, sich die Schuhe anzuziehen. Aber ich war ganz gelassen, weil ich nämlich ein ziemlich guter Torschütze bin, genau wie Cristiano Ronaldo, mein großes Vorbild. Außerdem bin ich Kapitän, und als solcher muss ich immer einen kühlen Kopf bewahren. → weiterlesen

Mickey

Für jede Lüge gibt es den richtigen Zeitpunkt. Die Raumfahrtorganisation, deren Name wir alle kennen, sah ihn im vergangenen Juni gekommen.
„Wir haben es hier mit einem sehr komplexen dynamischen Prozess zu tun“, sagte ein Experte in die Mikrofone der Presseagenturen und Fernsehsender. „Die Trümmerteile könnten auf einer Strecke von 400 Kilometern praktisch überall einschlagen. Zumindest wenn wir den Absturz nicht kontrolliert herbeiführen. Aber wir haben alles im Griff. Seien Sie ganz beruhigt.“
Ich sah die Sendung nach dem Abendessen. Karli spielte mit Mickey, dem Bernhardiner-Welpen, den wir am Nachmittag aus dem Tierheim geholt hatten. Der Hund sollte Karli über die Scheidung hinwegtrösten. → weiterlesen

Aliens wie wir

Ich höre ein Knacken und Brizzeln und weiß sofort, dass das nichts Gutes zu bedeuten hat.
„Nicht! Mach das lieber —“
Ein weißer Funkenbogen, ein Knall — und aus meiner VR-Brille zieht ein trauriger Qualmfaden.
Rosc, ein humanoides Chitinpanzeralien, betrachtet das Malheur betreten. Es tut ihm sichtlich leid, aber ich bin viel zu wütend, um Rücksicht darauf zu nehmen.
„Ist sie hinüber?“
„So war das nicht geplant.“
„Wie soll ich jetzt —“ Eine Erkenntnis holt mich ein und raubt mir die Stimme. Ich erkenne, wie allein ich jetzt bin, hier draußen im dunklen All.
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