Der Autorenbrief #3

Habe ich Talent? Ja, ich glaube schon. Aber hat mich mein Talent zur Schriftstellerin gemacht? Nein! Heute will ich euch zeigen, warum ich denke, dass Talent überbewertet wird, und wieso ihr ohne Talent sogar bessere AutorInnen werden könntet als andere, die begabt sind.

Über das Schreiben: Vom Wert des Talents

Mein Mitbewohner hat ein Talent fürs Geschichtenerzählen. Wenn er etwas erzählt, höre ich gern zu und fiebere mit. Manchmal schmeiße ich mich auch weg vor Lachen. Außerdem koordiniert und verfasst er das interaktive Textadventure zur Cronos Cube auf Twitter, in dem er immer wieder zeigt, dass er weiß, wie man eine flotte und spannende Handlung entwirft und langfristig verfolgt. Was er (noch) nicht kann?

Schreiben.

Ich kam auf dieses Thema, weil er mir letztens ein selbst verfasstes DnD-Abenteuer gezeigt hat. Eine Textart, die sich wie ein Bericht liest, weil sie nicht dazu dient, den LeserInnen einen Film vorzuspielen oder sie gar mit sprachlichen Finessen zu beglücken. Für ein Pen-and-Paper-Abenteuer war es gut geschrieben, es erfüllte alle formellen Anforderungen, ließ sich flüssig lesen und enthielt keine Schnörkel.

Nun hat mein Mitbewohner aber auch mal ein kleines Stück Fiktion verfasst. Einen Dialog. Witzig und originell, aber so gut wie unlesbar. Die Rechtschreibung war zum Fürchten und der Text so unübersichtlich strukturiert, dass ich ihm kaum folgen konnte. Okay, das sind nur formelle Kritikpunkte, die sich leicht beheben lassen. Ein anderer kurzer Text von ihm, den ich mal lesen durfte, war mit Insidern und Metaphern so überladen, dass er sich nur schwer aufnehmen ließ. Fehlt meinem Mitbewohner also einfach das Talent zum Schreiben? Soll er es am besten gleich bleiben lassen, sich gar nicht erst an einem Roman versuchen?

Das hat er mich nicht im Wortlaut gefragt, aber so hat er’s gemeint, als wir uns neulich über den Schreibstil seines DnD-Abenteuers unterhalten haben. Es ist mir nicht mehr aus dem Kopf gegangen. Braucht man zum Schreiben eines Romans Talent? Und falls ja, welches Talent? Und wie viel davon? Und wenn man überhaupt keines hat, was dann?

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Der Autorenbrief #2

Ich war immer ein Alien. In meiner Jugend bezeichneten mich Freunde als „Wüstenrennmaus auf Speed“. Ich habe fast immer in einer Traumwelt gelebt, war der Klassenclown, hatte Anpassungsprobleme und konnte mich nicht benehmen, weder als Kind noch später im Job, wo mich alles überforderte. Und trotzdem musste ich bis zur Diagnose 34 Jahre alt werden.

ADHS: Vom Verdacht zur Diagnostik

Wenn ihr vermutet, dass ihr ADHS habt, zögert nicht, zur Diagnostik zu gehen. Ob euer Verdacht bestätigt wird oder nicht, ist dabei gar nicht so wichtig. Die Antwort wird euch auf die eine oder andere Weise weiterbringen. Entweder endet eure Suche und ihr habt eine Erklärung für das, was euch das Leben schwermacht. Oder ihr wisst, dass ihr die Suche woanders fortsetzen müsst, falls ihr das denn möchtet.

In diesem Autorenbrief will ich euch daher darlegen, welche Zweifel mich umgetrieben haben, was mich am Ende dann doch in die Klinik getrieben hat und – vielleicht das Wichtigste – wie ihr zu einer Diagnostik kommt.

Aus Kindern mit ADHS werden Erwachsene mit ADHS – auch aus den Kindern, die nie diagnostiziert worden sind. 60 Prozent aller ADHS-Kinder zeigen im Erwachsenenalter weiterhin Symptome (laut Wender, Wolf und Wasserstein in den Annals of the New York Academy of Sciences, 2001, zitiert nach adhs-deutschland.de). Daraus entwickeln sich entsprechende Biografien, die von abgebrochenen Ausbildungen, Jobkündigungen, unbeendetem Studium und Arbeitslosigkeit gezeichnet sind.

Das ist noch lange nicht bei allen Menschen angekommen, auch nicht bei den Ärzten und Psychologen. Das Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte hat Methylphenidat erst 2011 für Erwachsene zugelassen. Noch immer hält sich der Irrglaube, dass sich ADHS mit dem Erwachsenwerden einfach in Luft auflöst. Das liegt daran, dass Betroffene mit der Zeit Strategien entwickeln, um irgendwie zurechtzukommen.

Warum Eltern darauf verzichten, mit ihren Kindern zum Arzt zu gehen, hat sicher ganz verschiedene Gründe. Manche halten es für persönliches Versagen, andere glauben vielleicht immer noch, dass es sich bei ADHS um eine Modediagnose handle und der Zappelphilipp ein Charakterzug sei. Je nach Ausprägung mag das der Fall sein, nicht jedes lebhafte Kind hat gleich ADHS. Aber wenn dahinter eine neurologische Stoffwechselstörung steckt, ist therapeutische und medizinische Hilfe einfach unverzichtbar.

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Der Autorenbrief #1

Dies ist mein erster Newsletter. Es könnte auch mein letzter sein. Nicht, dass ich das hoffte: Ich habe hier eine lange Themenliste, die ich samt und sonders besprechen will. Und doch könnte es sein, dass ich nicht einen einzigen Artikel von dieser Liste abhaken werde. Ich kenne mich nämlich.

Warum das Newsletter-Projekt
scheitern kann – und darf

Ich kenne mich inzwischen sogar besser als je zuvor. Denn vor zweieinhalb Wochen habe ich etwas Neues über mich erfahren: Ich habe ADHS. Damit lebe ich zwar schon mein ganzes Leben, aber erst jetzt wird mir so manches klar. Zum Beispiel, warum solche Ideen wie das Newsletter-Projekt bei mir immer so schnell abbrennen wie Strohfeuer. Warum ich dazu tendiere, mir zu viel vorzunehmen und unter dem Druck dann einknicke.

Das Wichtigste, was ich durch die Diagnose gelernt habe, ist, dass das okay ist. Ich muss nicht alles beenden, was ich angefangen habe (zumindest, solange kein Vertrag unterzeichnet ist). Anfangen darf ich trotzdem. Und genau das geschieht hier und jetzt.

Was ich mit euch vorhabe

Mein Newsletter soll sich um die zwei zentralen Themen meines Lebens drehen, das Schreiben und ADHS, einzeln und in Kombination. Das heißt, ich erzähle euch zum einen etwas darüber, wie und wann ihr an Agenturen und Verlage herantreten solltet, welche Schreibtipps ich für relevant halte und welchen Stellenwert Sprache und Handlung für mich haben.

Zum anderen berichte ich euch von meinem Weg zur ADHS-Diagnostik, was in der Klinik gemacht wurde und wie sich die Diagnose ausgewirkt hat. Und dann kombiniere ich diese beiden Themen und lasse euch teilhaben an meinem Kampf mit dem, was ich den glitschigen Fisch nenne.

Das Schreiben kann für Menschen mit ADHS sehr heilsam sein, denn es ist sowohl eine Konzentrationsübung als auch ein Weg aus dem stressig-lauten Alltag. Aber aus dem typischen ADHS-Kopfchaos kann nur schwer eine strukturierte und verlässliche schriftstellerische Tätigkeit hervorgehen. Wie das bei mir geklappt hat, will ich euch also unter der Rubrik Schreiben mit ADHS näherbringen.

Und dann sind da noch die anderen Themen, über die ich wirklich gerne sprechen möchte, die euch aber vielleicht gar nicht so interessieren. Diese Newsletter überspringt ihr dann am besten einfach.

In ihnen soll es zum Beispiel um meine Arbeit gehen, um Cronos Cube oder das, woran ich gerade schreibe, um Erscheinungstermine, Auftritte auf Messen oder bei Lesungen und so weiter und so fort. Oder um unser aller Leben in der Villa KuK, denn mein Mann und ich wohnen seit sieben Monaten in einer WG mit einer befreundeten Familie. Wir teilen uns die Miete für ein großes, wunderschönes Holzhaus, das einen riesigen Garten hat. Das Zusammenleben bringt genauso viel Freude wie Probleme mit sich, die es zu bewältigen gilt.

Weil ich dadurch jetzt so viel Platz habe und eine leidenschaftliche Hobby-Gärtnerin bin, soll es ab und zu auch um Pflanzen und Käfer gehen. Und wenn dann noch Zeit bleibt oder sich ein Thema aufdrängt, auch mal um Netflix und Games.

Unter diesem Link könnt ihr euch zum Newsletter anmelden. (Falls ihr euch zuvor zum Newsletter dieser Website angemeldet hattet: Der Versand hat nie funktioniert und ich konnte nicht herausfinden, warum. Deshalb bin ich zu Revue gewechselt, wo alles reibungslos klappt. Bitte meldet euch dort neu an.)

Danke für eure Zeit! Und hoffentlich bis bald. <3

Eure Thekla

Drei Wochen ohne Smartphone: War da was?

Vieles hat sich verändert: Hing ich nicht noch vor drei Wochen von früh bis spät an diesem leuchtenden Rechteck? Das Smartphone ist wie ein Stein am Meeresgrund gewesen. Als ich es aus meinem Leben entfernte, wurde die Lücke sofort von Wasser und Sand geschlossen. Und jetzt lässt nichts mehr darauf schließen, dass da mal ein Stein gelegen hat.

Habe ich weniger Kontakt zu Freunden?

Nein. Im Gegenteil. Wenn ich am Laptop bin und mir die Zeit zum Chatten nehme, sind die Gespräche konzentrierter und persönlicher. Ich sage häufiger Guten Morgen und Gute Nacht, und wenn ich weg bin, bin ich auch wirklich weg, weil ich das Gespräch nicht mit aufs Klo, an den Esstisch oder ins Bett nehme. Ich habe nicht weniger, dafür aber besseren Kontakt zu den Freunden, mit denen ich hauptsächlich über Telegram den Kontakt pflegen kann und muss. Und WhatsApp vermisse ich überhaupt nicht, in keiner Sekunde. Alle wichtigen Menschen sind ja noch da.

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Thriller mit Weggefährten

EisfieberEisfieber von Ken Follett
Meine Bewertung: 5 von 5 Sternen

In der Nacht nach der letzten Seite habe ich davon geträumt, wie ich jemandem von “Eisfieber” vorschwärme – das Buch hat also Eindruck hinterlassen. Ich dachte, ich lese nur einen spannenden Thriller, aber stattdessen bekam ich obendrein eine ganze Palette eingängiger, sympathischer Figuren präsentiert, deren Schicksal ich wirklich gern verfolgt habe, die mich manchmal aufgeregt und gerührt haben, und die ich am Enden loslassen musste wie liebgewonnene Weggefährten. Follett ist einfach ein Geschichtenerzähler, der seinesgleichen sucht. Davon abgesehen hat mich mal wieder enorm beeindruckt, wie präzise das Buch durchrecherchiert ist, vom klaren, schnörkellosen Schreibstil ganz zu schweigen.

Alle meine Reviews auf Goodreads

Wieso ich mein Smartphone gegen ein Klapphandy eingetauscht habe

Dieser Text ist ein Gegengift gegen die Sucht. Er ist lang. Wenn Sie es schaffen, ihn zu Ende zu lesen, können Sie sich glücklich schätzen. Sie gehören noch nicht zu den Smartphone-Junkies, die so viele soziale Medien konsumieren, dass sie ihre Konzentrationsfähigkeit verloren haben.

Ich habe jetzt ein Klapphandy. Das Smartphone habe ich vergangene Woche aufs Werkseinstellung zurückgesetzt und verschenkt, an ein Kind, das damit seither jeden Zentimeter unserer Wohnung ablichtet. Damit war ich offiziell smartphonefrei und bis zum Eintreffen meines neuen Klapphandys nicht einmal erreichbar. „Voll Retro!“, sagen die Leute, wenn ich ihnen von diesem altmodischen Ding erzähle, das in Wahrheit, ich konnte es auch nicht glauben, erst 2018 produziert wurde.

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Wie ihr mich unterstützen könnt

Aufmerksame Leser meines Blogs wissen: Bis man vom Schreiben leben kann, dauert es ein paar Jahre, ganz egal, wie fleißig man bei der Sache ist. Wenn ihr mich und meine Arbeit unterstützen wollt, könnt ihr das ab sofort wieder per PayPal tun:

Ich freue mich über jede Spende, von der ich mir einen Stapel neuer Versandkartons oder einfach nur ein Päckchen Räucherstäbchen leisten kann, und danke euch von Herzen. <3

Kann ich vom Schreiben leben?

Ich wollte wissen, welchen Eindruck ich auf Twitter erwecke: Denken meine Leser:innen, ich könnte vom Schreiben leben oder nicht?

Das Ergebnis hat mich dann doch ein bisschen erschreckt. Aber irgendwie habe ich auch damit gerechnet. Denn was meine Leser:innen sehen, ist, dass ich keinen anderen Job habe und mich ganz aufs Schreiben konzentriere. Das muss ein unfehlbarer Beweis sein! Also, kann ich vom Schreiben leben? → weiterlesen

Interview in der Süddeutschen Zeitung

Die SZ-Reporterin Christa Gebhardt hat mit mir über Cronos Cube 3 – Der freie Wille gesprochen, das am 21. September 2020 bei Oetinger Taschenbuch erscheint. Am Dienstag war das Interview im Blatt, ihr könnt es hier online nachlesen: Zum Interview

Interview auf Radio Alpenwelle

Mitte Juni hat mich Radio Alpenwelle zu Cronos Cube interviewt. Meine Antworten wurden am 24. Juni in der Morningshow gesendet: Immer zu Beginn einer vollen Stunde kam ein weiterer Teil. Die Redaktion war so nett, mir die Mitschnitte zur Verfügung zu stellen. Hier könnt ihr sie nachhören:

Interview Teil 1 (nach 6 Uhr)
Interview Teil 2 (nach 7 Uhr)
Interview Teil 3 (nach 8 Uhr)
Interview Teil 4 (nach 9 Uhr)